Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

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Schirmgleiter
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Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von Schirmgleiter » 7. Juni 2016, 09:04

Hallo Miteinander

Da ich noch ziemlich neu hier bin wollte ich mal eure Geschichten hören.

Schreibt mir eure Tipps, Erfahrungen, Emotionen und Weissheiten als Ihr begonnen habt.

Ich habe vor 3 Jahren ein Schnupperkurs gemacht und wollte eigentlich schon immer damit beginnen. Nur fehlte entweder das Geld, Zeit oder man stellte andere Bedürfnisse vor.

Jetzt bin ich endlich zum Entschluss gekommen nochmals ein Schnuppertag zu absolvieren und mich für die 1 Jahresausbildung anzumelden.

Könntet Ihr mir einige Tipps geben betreffend Ausbildung, Materialkauf und Geldeinteilung geben?

Da ich sehr neu bin und auch nicht unnötig das Geld aus dem Fenster werfen möchte, wäre ich froh um jeden Tipp/Erlebnis/Erfahrung.

Danke im Voraus.

Grüsse Schirmgleiter

perle
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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von perle » 10. Juni 2016, 18:02

Werde dir da am Wochenende mal etwas mehr zu schreiben...

perle
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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von perle » 10. Juni 2016, 18:03

...bin gerade noch auf der Arbeit und habe nicht allzu viel Zeit...

Schirmgleiter
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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von Schirmgleiter » 13. Juni 2016, 10:02

@perle

Kein Problem :)
Da bin ich mal gespannt!

Grüsse

Dani

Marc
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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von Marc » 14. Juni 2016, 15:59

Ich stelle mal die These auf, dass man am Flugsport nicht viel Freude haben wird, wenn man jeden Franken 2x umdrehen muss. Anders gesagt: wenn Du Dir wegen paar hundert Franken einen Budgetplan aufstellen musst, dann verschieb das mit dem Fliegen lieber auf "bessere Zeiten".

Die Schulung selber kostet bereinigt um die Anfahrtskosten überall etwa gleich viel. Die Preise sehen auf den ersten Blick vielleicht unterschiedlich aus, aber wenn Du z.B. von SG bis ins Appenzell jedes Mal mit dem Zug fahren musst und dort dann Einzelbillette löst um auf die Ebenalp (bei Ostwind) oder Kronberg (West bis Südwind) gehen musst, dann sind die Nebenkosten deutlich unterschiedlich, als wenn Du von der Schule aus mit dem Bus bis zum Startplatz fährst oder schon nur ein Mehrfach-Abo für die Bergbahn hast. Wenn man dann noch die Rabatte einrechnet welche die Schulen fürs Material geben können wenn man das bei ihnen kauft, dann kommt man am Ende eben in etwa auf den Selben Preis. Auch klar: jeder muss von was Leben und ob eine Schule im Kanton Zürich, TG oder SG ist, muss jeder Steuern, Mehrwertsteuer und Lohnnebenkosten zahlen - da können am Ende nur Rundungsdifferenzen rauskommen (nimm halt einen Skihelm statt eines teuren Carbon-Flughelmes oder lass das Flugkombi weg und flieg mit Wanderklamotten - dann ist die Differenz auch wieder drin).

Wo der grosse Unterschied ist, ist beim Material. Ein neuer Top-Schirm kostet schnell mal 4000 und mehr, dazu ein Top-Gurtzeug für mehr als einen tausender und ein steuerbarer Notschirm welcher grad nochmal so viel kostet sind nun mal insgesamt deutlich mehr als wenn man sich eine gebrauchte Occasions-Ausrüstung für einen tausender von einem Schüler zulegt der die Nase voll hat bzw. sich unbedingt was neueres zulegen wollte.

Jeder Sport kostet - und beim Flugsport kann Geiz ziemlich gefährlich sein (z.B. wenn man den Notschirm nicht regelmässig neu falten lässt, das Material nicht ab und zu mal zum Check gibt oder wenn man halt irgend einen uralten Kram kauft, nur weil einem der nachgeschmissen wurde), was nicht heissen soll, dass es nicht älteres Material gibt was durchaus zum Schulen taugt. Lass Dich hier am Besten vom Fluglehrer beraten, Du wirst später auch mal froh sein, wenn Du mal was über die Schule weiterverkaufen kannst - zudem schult nicht jeder Lehrer mit jeder Schirmklasse, da kann man wenigstens hier Probleme vermeiden.

Was mir geblieben ist (und wohl allen Piloten bleibt): Geld ist eines, aber damit lässt sich kein gutes Wetter kaufen - was angesichts des schon länger andauernden Regenwetters und den Prognosen durchaus ein triftiger Einwand sit. Was man immer brauchen wird ist Geduld um auf besseres Wetter zu warten, viel Zeit fürs Studium der Wetterdaten und gleich nochmal Zeit um all die schönen Fluggebiete zu besuchen welche es so gibt. Wer Samstag Vormittag kurz mal 2 Stunden hat wird nicht oft fliegen gehen (oder wenigstens nicht lange oben bleiben können), gerade in der Schulungs-Zeit muss man versuchen viel Zeit zunehmen - auch wenn's mit Ferientagen ist. Wichtige finde ich, dass man "am Ball" bleibt. Sobald man ein paar Monate Pause ist, sind elementare Dinge wie Start-Check nicht mehr automatisiert und man verliert schnell das Gefühl fürs fliegen. Während Theorie und Übungshang noch so einiges verzeihen, so gibt es bei den grossen Flügen wenig Fehlertolerenz - da lohnt es sich auch schon mal eine Intensivwoche zu machen (mit dem Risiko das eine ganze Woche schlechtes Wetter ist - man hat nicht immer Glück im Leben).

Um nochmal aufs Material zu kommen (was sich seitens Budget am ehesten beeinflussen lässt): logisch ist es schön einen neuen, modernen und leistungsfähigen Schirm zu haben, aber für die ersten Flüge ist es im Grunde völlig egal unter was man hängt (Hauptsache sicher). Es spricht also nichts dagegen sich für die ersten paar Saisons mal einen Occasions-Schirm (passende Klasse und passende Gewichts-Rage) zuzulegen, zumal der oft auch zum Bodenhandling eingesetzt wird. Der Sitz muss halt einfach von der Grösse her passen, da geht nichts über probesitzen (Grössen sind nicht genormt, M ist somit nicht einfach M). Ob der Notschirm nun integriert ist (praktisch fürs Handling - dafür vergess ich immer wider den Griff zu checken :oops: ) oder aber z.B. im Frontcontainer (gut für die Moral, weil man das Ding eben immer sieht) ist Geschmacksache, einzig auf ein Liege- bzw. Wettkampf-Gurtzeug würde ich verzichten, weil die Dinger einfach für lange Flüge und nicht für schweisstreibende Übungshänge gemacht sind. Beim Notschirm ist eine Empfehlung nicht einfach - aktuell geht der Trend wohl zu Kreuzkappen, aber mit einer einfachen, in der Grösse passenden Rundkappe kann man nichts falsch machen (einfach, praktisch, gut - und mit Abstand am günstigsten), zumal sich die Dinger einfach packen lassen - nach einem Packkurs und mit viel Platz sogar alleine in der Wohnung (das tendiert bei einer steuerbaren Rettung dann doch eher auf schwierig, selbst Notschirmpacker gehen das in der Regel zu zweit an). Das Gewicht der Ausrüstung wird tendenziell immer leichter, das ist praktisch, wenn man am Übungshang ist. Allerdings ist Leichtbau eben nicht unbedingt auf Bodenhandling ausgelegt und wird weniger lange halten, als Einsteiger vielleicht nicht die beste Wahl hier in teuren Leichtbau zu investieren. Bei den Marken ist es halt wie bei den Autos: jede ist (in der selben Klasse) irgendwie ähnlich und ein paar versuchen Alleinstellungsmerkmale beizubehalten (z.B. Advance mit den kleinen Winglets an den Flügeln oder Skywald mit dem Flap-System) - am Ende spielt es eigentlich kaum eine Rolle mit was man sich bewegt weil man sich einfach daran gewöhnt wie der Schirm reagiert und den Flug entsprechend einteilt, erst wenn man viel fliegt und die feinen Unterschiede erfiegen kann, kann man eventuell abschätzen was man lieber mag. Die heutigen Schirme fliegen alle super und Starts sind mit den durch Verstärkungen und Stäbchen offen gehaltenen Lufteintrittsöffnungen sehr einfach, mit ein paar Lektionen am Übungshang kann man sich da problemlos an den eigenen Schirm gewöhnen und sich auf die Prüfung vorbereiten.

Am Wichtigsten fand ich, dass die Schule gut erreichbar, also in der Nähe ist. Wenn man erst 2 Stunden im Zug sitzen muss, dann wird die Sache zur organisatorischen Herausforderung, erschwert noch, falls man nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Landeplatz kommt (das ein grosser Vorteil von Ebenalp und Kronberg). Bei Wohnort St. Gallen dürften das sie üblichen Schulungsgebiete sein, dies der Grund weshalb ich diese als Beispiel genommen habe. Habe jede der Schulen vor Ort erlebt und könnte nicht sagen wo ich mich jetzt am wohlsten fühlen würde (gibt mir wer Rabatt? über Werbung lässt sich immer diskutieren :mrgreen: :-) ) da muss man halt einfach mal am Landeplatz vorbei und bisschen zuschauen oder mit den Lehrern quatschen, vielleicht gibt es ja da etwas was irgend einem Grund eher zusagt.

Vom Fluggebiet her ist Kronberg nett (Startplätze von Süd ober West bis Nord http://www.gco.ch/default2.asp?cid=2544 ... 88&tid=190), Ebenalp ist vorwiegend Ost (hat etwas mehr Platz am Start und weniger Distanz zum Landeplatz, ist nicht nur für mich mein Lieblings-Fluggebiet). Bei passenden Bedingungen ist Ebenalp zwar in der Luft im Standard-Schlauch schnell voll, aber beim Startplatz hat es etwas mehr Platz - da sich die Schulen je nach Wind zum einen oder anderen Flugberg begeben, kann das aber kaum als Referenz für die Wahl bei der Ausbildung nehmen.

Auf den Homepage der Schulen (hier eine kleine Auswahl, einfach zur Übersicht: https://www.aerocenter.ch/ https://www.fso.ch/ http://www.gleitschirm.ch/pages/index.html ) sind die Ausbildungskosten und -Bestandteile angegeben, musst Dich nur noch entscheiden welche für Dich am Besten passt. Hatte überall mal Kontakt (Notschirm-Faltkurse, mal am Übungshang um meine miesen Starts bisschen zu verbessern oder zum Notschirm falten bzw. wegen neuem Material) und fand alle immer super nett und hilfsbereit.

Viel geschrieben und doch nicht viel gesagt - hoffe, dass es mal wieder fliegbares Wetter gibt, da haben alle mehr davon :wink: .

Schirmgleiter
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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von Schirmgleiter » 15. Juni 2016, 15:52

@Marc

Danke viel mals für deine Antworten. Sind sehr hilfreich und sehr grosszügig! :)

Es ist nicht so, dass ich jeden Franken zwei Mal umdrehen will. Ich möchte einfach nicht, dass ich von anfang an das teuerste, das Beste und mich nicht überflutten lasse mit Sachen die ich eigentlich erst als Erfahrener Pilot brauche.


Vielen Dank nochmals :)

Grüsse Dani

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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von Thobias » 26. Juli 2016, 00:11

Hi, würde gerne auch in die Paragliding Szene einsteigen allerdings sind mir die neuen Gleitschirme zu teuer, da ich am Hausbauen bin.
Kennt jemand von euch eine Quelle wo man gebrauchte Schirm mit Motor bekommen kann? Ich habe ein wenig im Netz recherchiert und einen gebrauchten Schirm ohne aktuellen Check im Netz gefunden. Es ist der Gleitschirm Einsteigerausrüstung Gecko L 100-125 k. Worauf muss ich achten wenn ich einen gebrauchten Gleitschirm kaufen möchte?

MfG Thobias

Marc
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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von Marc » 26. Juli 2016, 13:39

Dir ist schon klar, dass Motor-Fliegen (mit Benzin-Motoren) in der Schweiz verboten ist?
http://www.limmattalerzeitung.ch/limmat ... -126144935

Geht somit nur mit Elektro-Motor - und weil die Technik teuer ist (zudem sind die Schulungskosten nicht ohne http://www.skyjam-zurich.com/151178/) und man nur von Flugplätzen starten darf (viel Spass einen zu finden der Dich neben den Segelflugzeugen auf einem Sportflugplatz starten lässt) dürfe das sowohl seitens Ausbildung wie auch Kosten fern von dem sein, was Du Dir da vorstellst. Zudem ist mir jetzt nicht ganz klar wieso Fliegen mit Motor einfacher bzw. günstiger sein soll als ohne - in der Regel (zum Beispiel Deutschland) wird Motor-Fliegen als Zusatzausbildung zum Flugschein angeboten, das macht auch Sinn, weil man dann wenigstens die elementarsten Sachen richtig macht (Starts, Landevolte, Landeplatz treffen, saubere Landung - und eventuell auch halbwegs richtig reagieren, wenn's einem den Schirm doch mal wegräumt weil Thermik oder Windscherungen zu stark sind oder man schlicht da geflogen ist wo man nicht sein sollte).

Es gibt (wenige) Schirme welche sowohl fürs Gleitschirmfliegen wie auch fürs Motorfliegen freigegeben sind (brauchst, zumindest mit Rucksackmotoren, eine spezielle Aufhängung - zudem treibt der Motor das Gewicht in die Höhe womit die Gewichtsrange zwischen Solo fliegen und mit-Schirm fliegen unterschiedlich ausfällt). Ob sich so ein Schirm mit Doppel-Zulassung lohnt, kann ich nicht abschätzen - wird halt immer irgendwie ein Kompromiss bleiben und seitens Gewicht kaum mal 100% passen.

Kurz: mach's Dir nicht schwieriger als es eh schon ist (eine richtige Ausbildung dauert seine Zeit - massive Fehler können tödlich enden!) und kauf Dir einen günstigen Einsteiger-Gleitschirm (EN-A-Klasse Schirm http://www.dhv.de/web/piloteninfos/sich ... eitschirm/ ) von einem Schüler der es aufgegeben hat oder unbedingt den Schirm wechseln will. Darauf achten, dass die Gewichtsrange stimmt (die Schirme fliegen oft am Besten, wenn man etwas über der mittigen Flächenbelastung ist - mit zunehmendem Können auch eher am oberen Ende damit man etwas mehr Speed rausholt). Und nicht vergessen: der Schirm alleine fliegt nicht, da ist auch noch ein Sitz nötig (auch da gibt es diverse Grössen) und selbst wenn es für Piloten nicht Pflicht ist (für Schüler schon) gehört auch ein Notschirm in passender Grösse mit dazu. Wie erwähnt: am Besten ein Gesamtpaket erwerben von einem der aufgehört hat, zur Sicherheit vielleicht mal die Karabiner der Aufhängung wechseln, Schirmcheck machen lassen wenn das nicht der Vorbesitzer gemacht hat und Notschirm neu falten - und dann bist Du ready für ein erstes halbes Jahr (Notschirm sollte je nach Anzahl Flügen etwa halbjährlich neu gefaltet werden).

Wende Dich am Besten an eine Gleitschirmschule, die können Dir das Material empfehlen was für Dich passt, zudem bist Du sicher, dass man dich damit auch schulen lässt. Kann sein, dass das Material dort ein bisschen teurer ist als die Schnäppchen-Angebote im Netz, aber dafür hast Du einen dem Du die Ohren langziehen kannst, wenn irgendwas nicht passen sollte (und: kannst eventuell sogar mal Probefliegen oder den Schirm am Übungshang testen, was bei Internet-Angeboten halt auch nicht der Fall ist).

Die Prüfung selber ist nicht ohne (schon Theorie - wer's nicht so mit Wetterkunde hat, hat schon mal schlechte Karten) und ich würde mal behaupten, dass viele welche schon lange fliegen so ihre Mühe hätten auch die Praxis noch zu bestehen. Nicht, dass man schlecht fliegen würde, aber 8en oder Vollkreise auf Zeit mit sauberen Ausleitungen sowie Landeanflüge ohne Bremskorrekturen sind doch eher die Ausnahmen - werden aber halt so für die Prüfung verlangt.

Wenn Dir ein älteres Schulungs-Modell nicht behagt (man weiss ja nie, was der Vorbesitzer genau angestellt hat - überprüfen lässt sich das nicht), dann bleibt als Alternative noch ein Vorjahresmodell beim Händler zu bestellen. Hier sind grosse Rabatte drin (wobei das insbesondere bei höher klassierten Schirmen der Fall ist - will ja jeder das absolut neuste Topmodell fliegen), hast Herstellergarantie, da ist garantiert nichts vertrimmt oder der Stoff porös, zudem fliegt ein Vorgängermodell noch immer besser als eines das 10 Jahre lang nur im Keller gelegen ist, was einen Aufpreis rechtfertigt.

Wenn es sich um das da handelt http://www.ebay.de/itm/Gleitschirm-Eins ... 2060477662 dann sieht das schon mal nicht übel aus (2012 ist absolut OK vom Jahrgang - wie erwähnt lässt sich über Zustand nur rätseln) , der Zulassungstest zeigt auch keine Schwächen http://www.para-test.com/images/Test_Re ... report.pdf.

Für den Preis sieht das recht gut aus, aber eben: zwischen Aussehen und dem was man dann in Wirklichkeit bekommt können Unterschiede liegen. Und während es beim Auto nervt, wenn irgendwo eine Beule ist welche man nicht gesehen hat, hat man die A...-Karte gezogen, wenn man mal in der Luft ist und der vertrimmte Schirm irgendwelche unkontrollierbaren Flugzustände fabriziert oder einem beim Porositäts-Test gesagt wird, dass man das Teil lieber gleich in die Tonne wirft.

Ob viel schreiben viel hilft, weiss ich nicht - aber immerhin sollte klar sein, wieso ich zu meinen Ideen komme.
Kurz: ich würde nie einen Occasions-Schirm ohne Test kaufen (ohne Probeflug schon, man gewöhnt sich eh an alles), nie einen Sitz ohne Anprobe (ist der helle Wahnsinn was alles unter Grösse M verkauft wird) und beim Notschirm hilft es, wenn er erstens in den Sitz passt, zweitens regelmässig neu gefaltet wird - und drittens möglichst gar nie eingesetzt wird (weil: bleibt immer ein gewisses Risiko zu Problemen mit dem Hauptschirm oder zu Landeplätzen wo man nun mal echt nicht sein möchte - wie Hochspannungsleitungen, Flüsse/Bäche oder schon nur hochalpines Gebirge oder Gletscher wo man zwar gesund landen kann, es aber äusserst fraglich bleibt ob man auch gesund wieder da runter kommt).

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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von deepbreath » 27. September 2016, 10:08

Marc hat geschrieben:Ich stelle mal die These auf, dass man am Flugsport nicht viel Freude haben wird, wenn man jeden Franken 2x umdrehen muss. Anders gesagt: wenn Du Dir wegen paar hundert Franken einen Budgetplan aufstellen musst, dann verschieb das mit dem Fliegen lieber auf "bessere Zeiten".
Ohje, ich als Neu-Begeisterter hatte eigentlich auch damit gerechnet, dass es schon bezahlbar ist wenn man dann erstmal eine Lizenz hat und eventuell Equipment günstig erworben. Du nimmst mir gerade im wahrsten Sinne des Sprichwortes "den Wind aus den Segeln" :|
Nachdem meine Freunde mir zum Geburtstag über das Erlebnisportal hier einen Flug in Interlaken geschenkt haben, war ich Feuer und Flamme. Als Geschenkidee ist das ja eine super Sache, ich dachte halt die 170 CHF für das Event kommen eher durch die Betreuung und den Profi der dabei ist zustande. Also durch den Service wenn man so will. Ich seh zum ersten mal die Preise für einen gebrauchten (!) Schirm und staune nicht schlecht. 1500€ nur der Schirm, ganz zu schweigen von den Ausbildungskosten. Eventuell muss ich mir doch ein preiswerteres Hobby zuelegen, dabei ist Fliegen einer meiner ganz großen Träume....

Gruß
Theo
Zuletzt geändert von deepbreath am 28. September 2016, 10:20, insgesamt 1-mal geändert.

Marc
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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von Marc » 28. September 2016, 08:52

Hi Theo
Jedes Hobbi kostet Geld - und je besser man sich ausstatten will, desto teurer wird es. Auch ein Mountainbike bekommst Du für paar hundert Franken im Baumarkt - oder Du bezahlst schon mehrere tausend Franken nur für die Karbon-Räder wenn Du ein High-Tech Teil willst, die Frage ist, was man damit machen will. Und im Unterschied zu einem rostigen klapprigen alten Drahtesel für paar Franken der keinen Spass macht, ist es beim Fliegen halt so, dass nicht nur der Spass leidet wenn man unpassendes Material hat (unpassend kann von der Grösse, vom Einsatzbereich oder eben schlicht veraltet sein) und wenn während des Fluges was schief geht, dann ist das nicht nur ärgerlich sondern kann (leider) tödlich enden. Das sind nur paar "Fäden" (wenn auch in High-Tech Materialien) an welche Du Dich hälst, dies auch der Grund, weshalb die Schirme regelmässig kontrolliert werden müssen.

Und nicht zu vergessen: der Schirm ist eines, dazu kommt der Notschirm (auch nicht grad günstig - und in der Regel gibt der Hersteller einen Wechsel spätestens alle 10 Jahre vor) der 2-3x pro Jahr gelüftet und neu gefaltet werden muss (kostet auch jedes mal zwischen 60 und 90 Franken - je nach Modell). Und schliesslich braucht man noch einen Sitz, der hält aber in der Regel fast ewig (hier sind die Preise teilweise extrem hoch, hängt bisschen davon ab was für Materialien verwendet werden und was man für Ansprüche stellt, ist klar, dass ein hochwertiges Gurtzeug mit teuren Sicherheits-Schnellverschlüssen, Cockpit, Balstfach und Beinverkleidung deutlich mehr kostet als ein einfaches Modell ohne all den Schnick-Schnack).

Und nicht zu vergessen: die Bergbahnen kosten - und zwar massiv. Kannst ja selber mal z.B. ins Berner Oberland und auf die First fahren, das ist brutal, was die da für eine Fahrt verlangen (und viele Bergbahnen sind nicht im Tarif-Verbund, d.h. Halbtax oder gar GA gelten nicht). So ist es nicht erstaunlich, dass einige Fluggebiete gut besucht sind, schon nur weil die Bahnen vernünftige Preise für Gleitschirmflieger machen, z.B. hat die Tageskarte in Laax 42.- gekostet, dafür fährst Du an einigen Orten gerade einmal auf den Gipfel.

Und nicht vergessen: Material ist das eine, aber die Ausbildung kostet ja auch. Davon ausgehend, dass man rund 50 Flüge schon nur für die Schulung machen muss und jede Bergfahrt 10-20 Franken kostet, ist schon nur da schon bis zu einem tausender weg.

Aber, das darf man nicht vergessen: Es ist eben Flugsport - und man hat ein Flugzeug im Rucksack. Vergleich mal die Preise für die Ausbildung zum Helikopter- oder Kleinflugzeug-Pilot, da kostet jede Stunde schon mehr als Du in einem Jahr fürs Gleitschirmfliegen ausgibst.

Wenn man ähnliches Material vergleichen will, kann man das natürlich auch: ein Kite (zum Kitesurfen) kostet locker 1'400 bis 1'800 Franken, die Matten-Kites (ähnlicher Aufbau wie Gleitschirm) kosten schon weit über 2'000 - und wegen der Windverhältnisse braucht jeder mehrere von den Dingern. Teuer wird's somit erst, wenn man Fliegt und Kitet - wenn dazu (z.B bei Föhn) Bedingungen kommen wo beide Sportarten nicht so prickelnd sind und man noch Biken oder Klettern oder sogar Golf spielen geht, dann nimmt das Thema Budget ganz andere Dimensionen an. Und wenn, wie bei mir, noch der Nachwuchs Spass an der Sache hat, dann rechnet man die Sache mal 2, mal 3 oder noch höher - da weiss man, wieso man von 7h früh bis 6 Uhr abends in Büro sitzt und versucht die Kunden bei Laune zu halten um keine Aufträge zu verlieren.

Nur um die Sache auch bisschen abzuschwächen: natürlich kann man alles in Top-Qualität neu vom Händler kaufen und bezahlt dann einen "ordentlichen" Preis (macht natürlich auch Spass mit neuem Material zu fliegen, insbesondere wenn man es schon bisschen kann und ansatzweise die Leistung ausreizen kann), aber es gibt durchaus auch sehr gute Occasionen. Z.B. findet sich in den Flugschulen oder teilweise bei Ricardo Komplettausrüstungen für unter 2'000 Franken welche gerade mal paar Flüge haben, damit kann man problemlos paar Saisons glücklich werden. Wenn man bedenkt, dass schon nur ein Ferienflug mit Hotel in den Sommerferien schnell mal gleich viel kostet, so macht man halt mal Flugferien in den Alpen mit Unterkunft auf Campingplatz oder in der Jugendherberge, dann relativieren sich die Anschaffungspreise.

Kurz: nicht zu früh das Handtuch werfen sondern sich gut informieren. Wenn's dann halt wirklich zu knapp wird, dann halt bisschen verschieben - irgendwann kommen immer bessere Zeiten. Und nicht vergessen: gerade bei solchen Sportarten sollte man immer bisschen dran bleiben, denn je weniger man fliegt desto eher macht man Fehler - und das kann ins Auge gehen. Wobei dran bleiben im Grunde kein Problem ist, denn wenn man mal damit angefangen hat, lässt einem der Flugvirus kaum mehr los.

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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von deepbreath » 14. Oktober 2016, 10:20

Hallo Marc,

wow - danke für deine super ausführliche Antwort. Leider bringt es mich fast nur noch mehr davon ab gleich loszulegen. Die Kosten sind natürlich enorm und du führst auch viel auf an das ich nicht im entferntesten gedacht habe. Schade, aber wahrscheinlich werde ich es einfach nur verschieben. Die meisten Faktoren die es teurer machen sind ja auch durchaus berechtigt. Gerade wenn es um die Sicherheit in der Luft geht sollte man nicht unbedingt sparen, sonst hat man das letzte mal gespart.
An Kinder ist noch nicht zu denken, aber die bekommen dann ein paar Laufschuhe und machen Leichtathletik :mrgreen: :mrgreen:

Danke und viele Grüße!
Theo

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Re: Neueinsteiger *Tipps*Erfahrungen*Emotionen*Weisheiten*

Beitrag von Marc » 18. Oktober 2016, 09:03

Hoi Theo
Bis Du selbständig fliegen kannst, wird es sowieso eine Weile gehen, somit verteilen sich auch die Kosten über eine gewisse Zeit.
Klar muss man (bei jedem Hobbi) mal schauen ob man sich das leisten will, aber wie erwähnt gibt es nicht nur neustes Top-Material zu heftigen Preisen sondern eben auch viel Gebrauchtes welches durchaus die Bedürfnisse von Einsteigern noch lange deckt. Man ist halt heutzutage verwöhnt, will immer mehr Leistung (musst Dir mal vorstellen: vor gut 15 Jahren hatten Wettkampfschirme gerade mal die Leistung welche heute Schulschirme haben - meine erste Schulungsflüge habe ich mit Schirmen gemacht welche eine Gleitzahl von 5 hatten, da war man schon froh, wenn man überhaupt bis zum Landeplatz gekommen ist), viele wechseln deshalb auch viel zu schnell auf höher klassierte Schirme. Und wie es so ist mit all den "Fun-"Sportarten - Occasionen gibt's viele und deshalb sind die Preise (relativ) günstig. Auch klar: gibt Occasionen welche teurer verkauft werden als was man als Barpreis beim Händler bezahlt, man wird um Vergleiche nicht rumkommen :wink:

Anders gesagt: mach Dir mal keine zu grossen Gedanken über die Materialpreise. Am Anfang bist Du eh nur am Übungshang (ich sollte auch mal wieder bissen Bodenhandling machen, meine Starts sind...sagen wir mal nicht gerade vorbildlich :oops: ) und bei den ersten Höhenflügen dürften die Schirme auch von der Schule zur Verfügung gestellt werden.

Spätherbst finde ich recht geeignet zum Anfangen. Man braucht nicht stressen (entweder es ist stabiles schönes Hockdruckwetter oder man kann es sowieso gleich vergessen), man hat keine Thermikablösungen (Südhänge können da heftig werden um die Mittagszeit und anfangs Nachmtitag) und es hat auch nicht mehr so viele Leute. Zudem sind reine Gleitflüge im Winter immer schön und falls man ein Fluggebiet hat wo man auch Skifahren kann, macht man keine Kilometer im Auto für die Katz. Bisschen blöd halt, dass die Bergbahnen nach den Herbstferien normalerweise bald mal Revisionspause machen, aber für den Übungshang braucht man das sowieso nicht.

Somit: such Dir erst mal eine Schule welche Dir zusagt und lass Dich dort informieren. Bin sicher, dass man Dir ein Angebot machen kann welches interessant ist, zumindest kennst Du dann mal die Preise und wie die Kurse aufgebaut sind und kannst Dir so überlegen ob man das ganze Projekt verschieben will oder halt einfach über eine längere Zeit verteilt. Bisschen Zeit muss man schon nur für die Theorie aufwenden, ist schon ein Haufen Kram welches für viele ziemlich neu ist - ich hatte hier bisschen Glück, weil ich vom (Hochsee-)Segeln schon etliches an Wetter- und Materialkunde hatte und sich doch viele Parallelen finden.

Viel Spass - und schöne Flüge :mrgreen:

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