Strömungsabriss?

Antworten
Hans-Ruedi
Stammgast
Beiträge: 25
Registriert: 21. Dezember 2010, 19:23
Ich bin ein...: Pilot

Strömungsabriss?

Beitrag von Hans-Ruedi » 19. Februar 2013, 22:39

Hallo zusammen.

Ich flog an einem bewaldetem Hang in thermischen Aufwind. Die Ablösungen waren sehr eng. Als ich dem Hang entlang gleite, flog ich in diese Ablösungen. Diese Ablösung fühlte sich an wie in einem Lift. Ich wurde ca 4 m hinaufgezogen und als ich das Stockwerk erreichte, blieb ich fast stehen. Es fühlte sich an, als ob ich keine vorwärts Geschwindigkeit hatte. Danach gleitete ich normal weiter. Ich fliege einen Epsilon 5.

Frage:
Wie kann das gefühlte Stehen bleiben erklärt werden?
Ist zu diesem Zeitpunkt mit einem Strömungsabriss zu rechnen?

Gruss Hans- Ruedi

XD
Stammgast
Beiträge: 61
Registriert: 5. Dezember 2006, 12:36

Re: Strömungsabriss?

Beitrag von XD » 26. Februar 2013, 01:47

Hallo

Also das stehenbleiben ergibt sich durch die Thermik. Es kommt auf jedemenge faktoren an Schirmtyp, Gewicht und auch Gurtzeug. Jeder Schirm reagiert anderst auf die aufsteigende luftmasse. Durch eine höhere Flächenbelastung passiert es weniger bis garnie Schirmtyp abhängig ob er dies überhaupt macht. Beim einfliegen in die Thermik verliertnder Schirm an geschwindigkeit dadurch verändert sich auch der Anstellwinkel. Du pendelst nach vorne und der Schirm bleibt hinter die hängen und kommt dann nach vorne je nach stärke der Thermik empfiehlt sich anbremsen beim vorschiessen.
In der Phase wenn der Schirm sich hinter dir befindet kann es sein das durch zustarkes anbremsen ein Strömungsabriss resultiert. Aber wie schon gesagt es ist Sitationabhängig und Materialabhängig.

Hoffe konnte dir helfen.

Gruss Sandro

Hans-Ruedi
Stammgast
Beiträge: 25
Registriert: 21. Dezember 2010, 19:23
Ich bin ein...: Pilot

Re: Strömungsabriss?

Beitrag von Hans-Ruedi » 27. Februar 2013, 22:17

Vielen Dank Sandro für die Erläuterung.

Du hast mich auf eine Theory gebracht. Evt war ich in einer schräg aufsteigenden Thermik welche dem Wald entlang auf stieg. Durch diese Schräge, enthielt der Aufwind auch einen Gegenwind-Komponent. Als ich dann dieser thermische Aufwind verliess, fehlte der Gegenwind-Komponent und so flog ich langsamer bzw fehlte der gefühlte Fahrtwind. So könnte es gewesen sein, vermutlich.

Hans-Ruedi

Bauchstarter
Stammgast
Beiträge: 79
Registriert: 21. März 2007, 21:29
Ich bin ein...: Fussgänger
Wohnort: Luzern

Re: Strömungsabriss?

Beitrag von Bauchstarter » 30. März 2013, 17:50

Die Thermik steigt auch nicht einfach senkrecht auf, sondern dreht sich - wie das Wasser im Ablauf, nur umgekehrt. Siehe die letzte Ausgabe vom Swissglider.
Abgesehen davon fällt der Schirm immer etwas aus der Thermik heraus; aus dem quasistabilen (wenn gut zentrierten) Thermikflug wird der Schirm in die absteigende Luftmasse gelenkt. Entgegen dem Aufbäumen beim Einflug in die Thermik wird der Schirm beim Rausfliegen vorne nach unten gedrückt und so auch nach vorne beschleunigt. Da der Pilot eine höhere Massenträgheit hat, schiesst der Schirm etwas vor und es gibt eine leichte Pendelbewegung. Dann erst wird der Pilot wieder schneller und folgt dem Schirm.
hier hat es auch noch Animationen zum Thema Pendeln, die Seite ist auch sonst sehr lesenswert!!

flyuphigh
Stammgast
Beiträge: 26
Registriert: 22. April 2011, 11:59
Ich bin ein...: Pilot

Re: Strömungsabriss?

Beitrag von flyuphigh » 12. April 2013, 21:53

Hallo zusammen.

XD / Sandro hat das Ganze eigentlich ganz gut erklärt. Ich möchte seinen Ansatz noch ein bisschen weiterführen.
Ich habe zu meinen folgenden Gedanken noch keine Literatur gefunden, die diese bestätigen oder widerlegen, daher sind sie mit Vorsicht zu geniessen.

XD hat geschrieben:Durch eine höhere Flächenbelastung passiert es weniger bis garnie Schirmtyp abhängig ob er dies überhaupt macht. Beim einfliegen in die Thermik verliertnder Schirm an geschwindigkeit dadurch verändert sich auch der Anstellwinkel.
XD hat hier meiner Meinung nach das zentrale Kriterium (indirekt) angesprochen; der Anstellwinkel.

Man stelle sich das Profil eines Gleitschirms (also von der Seite gesehen) einmal vor. Grundsätzlich werden ca. 2/3 des Auftriebs auf der Flügeloberseite erzeugt, der restliche Drittel auf der Flügelunterseite durch Luftwiderstand (So wie bei einem Rundkappen-Notschirm).
Betrachten wir nun einmal die Flügelunterseite genauer: Wenn man in eine Thermik einfliegt, hängt die Reaktion des Schirmes vor allem vom Anstellwinkel an. Der Anstellwinkel ist vereinfacht gesagt der Winkel zwischen dem Untersegel (=Profilsehne) und der Flugbahn. Bei einem sehr kleinen Anstellwinkel (->Hochleister) reagiert der Schirm in Thermik anders als bei einem grossen (->Schulschirm).
Um dies besser veranschaulichen zu können habe ich eine einfache Skizze gemacht.
Anstellwinkel.JPG
Anstellwinkel.JPG (19.93 KiB) 9391 mal betrachtet
Betrachtet man das Bild dann kann man sehen: Bei Thermik, also Luft von unten nimmt der Hochleister zusätzlich Fahrt auf, während der Schulschirm gebremst wird (-> Pendelbewegung).

Ich hoffe, ich habe da nicht einen völligen Schwachsinn erzählt :wink:

Grüsse Fly

Hans-Ruedi
Stammgast
Beiträge: 25
Registriert: 21. Dezember 2010, 19:23
Ich bin ein...: Pilot

Re: Strömungsabriss?

Beitrag von Hans-Ruedi » 13. April 2013, 00:06

Hallo Zusammen

@ Bauchstarter: Das mit der Pendelbewegung beim Verlassen der Thermik könnte gut der Grund gewesen sein. Ich werd mich bei der nächsten "Liftfahrt" beim Aussteigen noch genauer auf die Kappe konzentrieren.

@ Fly: Ich denke dein Schwachsinn macht schon Sinn. Aber wie ist es beim Verlassen der Thermik? So müsste beim Verlassen der Thermik die Gefahr eines Frontstall mit dem Hochleister grösser sein, als mit einem Schulschirm?

Währe noch interessant, die Meinung über das einfliegen und verlassen der Thermik von einem Hochleister Pilot zu erhalten.

Gruss Hans-Ruedi

XD
Stammgast
Beiträge: 61
Registriert: 5. Dezember 2006, 12:36

Re: Strömungsabriss?

Beitrag von XD » 1. Mai 2013, 22:47

Also melde mich hier wieder einmal zu Wort.

Also meines erachtens stimmt deine Skizze des Schulungsschirms nicht, die Nase ist auch tiefer wie beim Hochleister.
Also auch nach unten, dass braucht ein Gleitschirm Profil das es überhaupt fliegt.
Der unterschied Zwischen einem Hochleister und einem Schulungsschirm liegt an der Höhe des Profils und an der Anzahl der Zellen. Durch mehr Zellen erreicht man das der Schirm näher an das gewünschte Profil herankommt.
Die höhe des Profil beeinflusst auch stark den Luftwiederstand.
Es kommt daher auf viele Faktoren an und ist nicht ganz so einfach wie man sich das Wünscht auch die Anzahl der Leinen und Leinenebene haben einen einfluss auf das Flugverhalten.
Frontklapper tretten bei Schulungsschirme weniger auf beim hinausfliegen aus der Thermik. Aber ein wichtiger Punkt ist der Pilot das Aktive fliegen ist ein wichtiger bestandteil wiso das ein Gleitschirm gar nicht klappt, sei das über die Front oder Seitlich.

flyuphigh
Stammgast
Beiträge: 26
Registriert: 22. April 2011, 11:59
Ich bin ein...: Pilot

Re: Strömungsabriss?

Beitrag von flyuphigh » 5. Mai 2013, 21:58

Hallo XD
Ja, auf der Skizze ist das ganze natürlich ein bisschen übertrieben. Ich wollte nur den Unterschied möglichst klar zeigen.

Das mit den Zellen und dem Profil stimmt und hat indirekt einiges mit dem Flugverhalten in der Thermik zu tun. Gerade wenn wir die Klapper anschauen. Ein Hochleisterschirm erzeugt mehr Auftrieb pro Fläche und dadurch ist der Schirm nicht so klappanfällig.

Antworten